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Mit ihrer Aufführung von Aristophanes´ „Der Friede“ vor gut einem
Jahr hatte die Theater-AG des Philipp-Melanchthon-Gymnasiums den Beweis
erbracht, dass auch so genannte Laien bei qualifizierter Leitung eine
antike Komödie so toll spielen können, dass man als Zuschauer aus dem
Lachen nicht mehr herauskommt. „Der Friede“ setzte Maßstäbe für die
diesjährige Vorstellung. „Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung“
von Christian Friedrich Grabbe gilt als eine der großen deutschen
Komödien. 1827 vollendete Grabbe dieses Lustspiel, dessen Uraufführung
er jedoch nicht mehr erlebte.
Der Teufel flieht aus der eisigen Hölle auf die Erde und wird von vier
Naturhistorikern gefunden. Unter den Menschen versucht er Böses zu
stiften. So kauft er Liddy (die Nichte des Barons) dem Bräutigam Herrn
von Wernthal ab und überlässt sie dem Wüstling Freiherrn von Mordax,
der dafür 13 Schneidergesellen erstechen muss. Der Schmied, der dem
Teufel ein neues Hufeisen anpassen soll, errät, mit wem er es zu tun
hat und erzählt es dem immer betrunkenen Schulmeister. Der listige
Lehrer weiß Rat. 16 in einem Käfig versteckte Kondome führen zur
Gefangennahme des Teufels. Und auch Liddy kann mit Waffengewalt vor dem
zudringlichen Mordax gerettet werden. Ein gutes Ende!
Obwohl fast 200 Jahre alt, hat dieser satirisch-bissige Text nichts von
seiner Gesellschaftskritik verloren. Die Seitenhiebe auf
schulmeisterliches Verhalten, das Aufs-Korn-nehmen einer bornierten
Wissenschaft und die Dummheit der Journaille kommen frisch daher. Das
liegt zum Einen an der Schrägheit dieser Satire, zum Anderen aber an
der Fassung von Spielleiter Clemens Krause. Er hat behutsam gestrichen,
dort wo es Seitenhiebe auf die Zeitgenossen Grabbes gibt, die uns heute
unbekannt sind, wurden sie von neuen Texten ersetzt. Ein Gildo Horn
bekommt ebenso sein Fett weg wie Rosamunde Pilcher.
Kein Bühnenbild
Die Gerstunger verzichten vollständig auf die Illustration der rasanten
Geschichte durch ein gezimmertes oder gemaltes Bühnenbild. Lediglich
ein dreidimensionaler, schmaler und leicht drehbarer Vorhang deutet
durch die unterschiedliche Farbgebung den Ort des jeweiligen Geschehens
an und bietet, da er begehbar ist, die Möglichkeit, sich zu verstecken
und einen vierten Raum zu etablieren. Die Kostümierung aller Figuren
ist zeitlos-modern. Nur klug ausgewählte Details, wie weiße Perücken
der Höflinge oder schrille Sonnenbrillen der Naturhistoriker, die die
blinde Borniertheit dieser Zunft unterstreichen, unterstützen das
Spiel.
Und was für ein Spiel! Es ist fast unfair, einzelne Darsteller
hervorzuheben, denn jede der Figuren, wurde so witzig, bewusst
überzeichnet verkörpert. Wie konsequent der Bauer Tobies (Saskia
Theune) den Hinkefuß mimt, wie die getragen-langsame Sprechweise von
Bauernsohn Gottliebchen von Julia Wolf realisiert wurde es war einfach
grandios.
Franziska Herwig als sich ständig kratzender Dichter Rattengift
arbeitete mit allen Gesichtsmuskeln, so dass man meinte, einen ständig
schnuppernden Nager vor sich zu haben. Wie sie den Kopf einzog und
schräg stellte, wie sie förmlich ihren Hals verschwinden ließ, um die
Falschheit und Gefährlichkeit der Figur von Rattengift zu
unterstreichen, war unübertrefflich.
Dem Schulmeister des Dorfes und dem Teufel wurde von den Geschwistern
Naemi (17 Jahre) und Samuel Simon (18 Jahre) Leben eingehaucht. Wie
unangestrengt den Beiden die zum Teil komplizierten Grabbe'schen
Wortkombinationen aus dem Mund purzelten, wie beweglich, oft
akrobatisch sie jede Faser ihrer Körper zu nutzen verstanden, war
meisterlich. Kaum zu glauben, dass beide noch keine
Schauspielausbildung absolviert haben. Als der Schulmeister den Käfig
über den Teufel stülpt, konnte man als Zuschauer Mitleid haben, so
herzzerreißend kollerte der Satan über die Bühne.
Die Darstellung des Mordes an den dreizehn Schneidergesellen stellten
alle Spieler gemeinsam dar. Jedes Abstechen war individuell, mal
röchelnd, mal schreiend, dann wieder lautlos sanken die Körper auf die
Erde. Durch den vergrößerten Gestus aller Beteiligten, der jeden
Realismus vermied, konnte die Komik entstehen und den Funken zu einem
begeisterten Publikum überspringen lassen.
Dass, was die Schüler der Theater-AG des Gerstunger Gymnasium in ihrer
fast zweistündigen Aufführung boten, war so weit entfernt von dem (zu
unrecht belächelten) Schultheater, wie die Erde von der Milchstraße.
Und wenn eine junge Zuschauerin während des Applauses sagt: „Das möchte
ich am Liebsten gleich noch einmal sehen“, wenn tosend geklatscht,
getrampelt, und „Bravo“ gerufen wird, muss man einfach von einem
perfekten Abschluss der 7. Südthüringischen Schultheatertage am
Meininger Theater sprechen. Danke!
In der nächsten Woche, wenn die vielen Eindrücke verarbeitet sind,
geben wir einen Rückblick auf diese spannende Theaterwoche. An dieser
Stelle schon vorab ein riesiges Dankeschön an die Helfer des Meininger
Theaters, die hinter den Kulissen für einen perfekten Ablauf sorgten.
Dank an die Techniker Andreas Straßenberg, Lutz Wagner, Dirk Heim,
Henri Poppenmüller, Andreas Kraus, Jürgen Kleffel, an die Beleuchter
Michael Jakubowski, Eckehardt Boortz, Gabriel Ernst, Jens Eimann, Horst
Götz, Bernd Scharfenberger, an die Kollegen vom Ton Thomas Spengler und
Karsten Schober sowie an die Mitarbeiterinnen der Requisite Jessica
Beer und Iris Rosemeier. Ulrike Lenz
Die Naturhistoriker (Angelika Barg, Christin Stützel, Manuel
Langheld, Isabel Schicht) und in der Mitte der Teufel (Samuel Simon). -
Foto: Ulrike Lenz
Schultheatertage 2007
Meiningen (red) - Bühne frei hieß es in der letzten März-Woche 2007 für
den Schauspielnachwuchs. Bis zum 29. März fanden in den Kammerspielen
des Meininger Theaters die 7. Südthüringischen Schultheatertage statt.
140 junge Leute aus neun Schulen stellten dabei die Ergebnisse ihrer
Theaterarbeit vor.
Die Nachwuchskünstler kamen aus dem Wartburgkreis, aus Meiningen,
Suhl, Schmalkalden, Kaltensundheim, Schleusingen. Erstmals war mit Bad
Brückenau auch eine Schule aus Bayern vertreten.
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