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Unsere Schule Schulpolitik Bildungsgipfel in Dresden in der Presse

Pressemitteilung des TKM

Müller zum Bildungsgipfel: „Bund und Länder bekennen sich zu gemeinsamer Verantwortung“ – Opposition will Gymnasium abschaffen – Quote der Schüler ohne Abschluss unter Bundesdurchschnitt

„Bund und Länder bekennen sich zu gemeinsamer Verantwortung“, erklärt Thüringens Kultusminister Bernward Müller (CDU) zur Kritik der Opposition am gestrigen Bildungsgipfel. Es habe sehr wohl konkrete Absprachen gegeben. Es sei eben ein Erfolg, wenn sich Bund und Länder darauf verständigten, die Ausgaben für Bildung und Forschung bis 2015 auf zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts aufzustocken, auch wenn die konkrete Umsetzung noch offen bleibe. Auch die Absprachen im frühkindlichen Bereich und zur Sicherung des Fachkräftebedarfs seien konkret und begrüßenswert. Daher sei die Kritik, die zum Teil mit falschen Zahlen begründet werde, unberechtigt.

„Auch die Opposition muss endlich zur Kenntnis nehmen, dass Thüringer Schulen den bundesweiten Vergleich nicht zu scheuen brauchen. Das ständige Schlechtreden des Bildungslandes Thüringen schadet dem Ansehen des Freistaats. Die Spitzenposition Thüringens im Bildungsbereich wurde von verschiedenen Studien wie dem Bildungsmonitor immer wieder bestätigt. Demnach gehört Thüringen zum ‚Führungsquartett’ aller deutschen Länder und zeichnet sich durch eine überdurchschnittlich hohe Schulqualität und durch die Vermeidung von Bildungsarmut aus. Zudem hat der PISA-Ländervergleich 2003 deutlich festgestellt, dass im Freistaat soziale Herkunft und Bildungserfolg weitgehend entkoppelt sind. Falsch ist außerdem die Behauptung, dass Thüringen mehr Schüler ohne Abschluss habe als im Bundesdurchschnitt. Mit 7,19 Prozent liegen wir deutlich darunter“, so der Minister.

„Die Regelschule ist eine Schule mit Chancen für alle. Sie sichert Schülerinnen und Schülern eine theoretisch fundierte, aber gleichzeitig praktisch und lebensnah orientierte Schulbildung. Die Entscheidung für einen Bildungsweg ist dabei noch längst nicht die Entscheidung für einen Abschluss. Denn die Durchlässigkeit unseres gegliederten Schulsystems ermöglicht den Wechsel von der Regelschule an das Gymnasium oder vom Gymnasium an die Regelschule. Damit ebnet das Erfolgsmodell Regelschule den Weg sowohl zur Berufs- als auch zur Hochschulreife. Darüber hinaus erfüllt der Freistaat mit der hohen Zahl der Übertritte von der Grundschule an das Gymnasium eine von internationalen Organisationen erhobene Forderung nach einer Erhöhung des Anteils der Abiturienten in Deutschland“, erklärte Müller., Durch die Weiterentwicklung der Förderzentren zu Kompetenz- und Beratungszentren werde künftig gemeinsames Lernen im Freistaat noch besser ermöglicht, so der Minister. Die Landesregierung wolle die bestmögliche Förderung jedes einzelnen Schülers. Die Opposition hingegen strebe die Einheitsschule und die Abschaffung des Gymnasiums an.

Freies Wort am 23.10.2008

Bildung

Auf dem Weg des geringsten Widerstandes

Während die Politik über Zuständigkeiten streitet, zieht Thüringen zurück: Physik wird doch kein Pflichtfach am Gymnasium

Von Redaktionsmitglied Jens Wenzel

Erfurt „Wir haben so viele Lehrer in der Landesregierung – dass die so etwas zulassen, ist kaum zu begreifen.“ Hans-Ulrich Mönnig macht aus seinem Unverständnis keinen Hehl: Da wirbt die Ingenieurkammer Thüringen, deren Präsident Mönnig ist, händeringend um Berufsnachwuchs. „Kein Ding ohne Ing.“, lautet der Slogan, mit dem man die Lücke von 4500 Ingenieuren im Freistaat wenn schon nicht zu schließen, doch wenigstens zu verkleinern hofft. Aber von Seiten des Thüringer Kultusministeriums wird die naturwissenschaftliche Bildung an den Gymnasien nach dem Eindruck der Kammer nicht mit dem entsprechenden Nachdruck behandelt.

Schließlich ist die Bildung und damit insbesondere die Ausgestaltung der Lehrpläne nach wie vor Ländersache – auch wenn gestern beim Bildungsgipfel in Dresden auch über eine bundesweit einheitliche Schule gestritten wurde. Die Länder beharren auf ihrer Kompetenz. Thüringen sieht sich dabei auf einer guten Position: Wenn die deutschen Auslandsschulen in aller Welt sämtlich nach dem Thüringer Modell arbeiten, könne es hier doch nicht so schlecht sein, argumentiert Kultusminister Bernward Müller (CDU). Und sein Ministerium verweist voller Stolz auf den regelrechten Run der Gymnasiasten aus dem benachbarten Hessen auf die grenznahen Oberstufen-Schulen, etwa in Gerstungen und Vacha (beide Wartburgkreis). Rund 600 Gastschüler kommen täglich über die Landesgrenze.

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Mit Reform weit
nach vorn geprescht

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Doch auch in Thüringen ist längst nicht alles in Butter. Das zeigt sich auch daran, dass Verbesserungsversuche scheitern können. Das Kabinett in Erfurt war bereits vor genau einem Jahr mit der Reform der gymnasialen Oberstufe weit nach vorn geprescht. Der damalige Kultusminister Jens Goebel (CDU) verkündete am 23. Oktober 2007, die Reform sehe eine Einschränkung bei der freien Fächerwahl der künftigen Abiturienten vor – es solle schlichtweg nicht mehr möglich sein, grundlegende Fächer abzuwählen. Mathematik, Deutsch, Geschichte und Physik müssten von jedem Schüler verpflichtend belegt werden. Vorigen Monat – just zu dem Zeitpunkt, als Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf ihrer Bildungsreise durch Deutschland auch Thüringer Gymnasiasten besuchte, – kam dann der Rückzieher: Physik wird doch kein Pflicht-Fach.

Das ist der Punkt an dem der Laie staunt und der Fachmann sich wundert. „In unserer heutigen Welt braucht man solche grundlegenden naturwissenschaftlichen Kenntnisse“, sagt Kammerchef Mönnig, der selbst auch als Professor für die Ausbildung des Berufsnachwuchses sorgt. Denn letztlich kämen diese auch im Alltag bei der Lösung von Problemen zum Einsatz. „Unser komplexes und von technischen Errungenschaften geprägtes Leben fordert von allen Menschen grundlegende naturwissenschaftliche Kenntnisse“, erklärt Mönnig. Dem Zuhörer kommt da das bekannte Beispiel aus dem amerikanischen Haftungsrecht in den Sinn, wo ein Hersteller von Mikrowellengeräten Schadenersatz leisten musste, weil er nicht darauf hingewiesen hatte, dass man in dem Gerät keine Tiere trocknen kann. Dabei sollte der halbwegs allgemeingebildete Mensch um die schädliche Wirkung von Mikrowellenstrahlung wissen.

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Zwei Wahlfächer
vorgeschrieben
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Die Begründung für die Entscheidung, die Physik-Pflicht zu streichen, liefert der Sprecher des Kultusministeriums, Detlef Baer: Es gab Proteste, weil dann keiner mehr Chemie gelernt hätte. Während nämlich bislang nur eines der drei Naturwissenschafts-Fächer Physik, Chemie und Biologie gewählt werden musste, ist nun die Wahl von zweien vorgeschrieben, um mehr naturwissenschaftliche Bildung zu garantieren. Der Hintergrund: Bislang gingen viele Abiturienten den Weg des geringsten Widerstandes und wählten das Fach Biologie, weil sich hier angeblich mit geringstem Aufwand gute Noten erzielen lassen. Ob dem so ist, sei einmal dahingestellt. Aber die Zahlen des Thüringer Institutes für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (ThILLM) sprechen eine deutliche Sprache: 80 Prozent der Schüler wählten Biologie. Wäre jetzt Physik verpflichtend hinzu gekommen, hätte wohl niemand mehr Chemie belegt. Deshalb waren Eltern, Lehrerverbände und Thüringer Hochschulen gegen die geplante Regelung Sturm gelaufen. Und denen hatte das Ministerium nachgegeben.

Dabei ist nicht einmal nachvollziehbar, warum es einen Widerspruch zwischen den naturwissenschaftlichen Fächern geben muss. „Längst sind die wissenschaftlichen Disziplinen so sehr miteinander verbunden, es gibt Molekularbiologie, Bio-Chemie, physikalische Chemie und andere zukunftsträchtige Kombinationen. Wir bräuchten eigentlich ein einziges Fach Naturwissenschaft“, sagt Mönnig.

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Mehr als 35 Stunden
nicht möglich
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Doch hier stoßen laut Baer die Möglichkeiten des Landes an ihre Grenzen. Mehr als 35 Stunden Unterricht pro Woche seien nun einmal nicht möglich. Schon gegen diese Zahl, die der Wochenarbeitszeit in einigen Berufen entspricht, waren Eltern auf die Barrikaden gegangen – schließlich sind da auch Hausaufgaben noch gar nicht einmal eingerechnet. Sprachen und musische Fächer dürften nun einmal auch nicht zu kurz kommen. Ähnliche Erfahrungen würden nun andere Bundesländer machen – nämlich diejenigen, in denen „G 8“, das achtjährige Gymnasium, eingeführt wurde, sagt Baer. Allerdings gibt es eben auch das Beispiel Sachsens, wo alle drei Naturwissenschaftsfächer zur Pflicht gemacht wurden.

Dass so etwas Vorteile haben kann, belegt die Ingenieurkammer mit einer Studie des internationalen Fachverbandes „Institute of Physics“. Der habe nämlich nachgewiesen, dass Berufstätige später die höchsten Einkommen haben, die als Oberstufenschüler Physik, Chemie und Biologie als Prüfungsfächer gewählt haben.

 
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